Sexism sells - Städtisches Hearing zu Hassmusik / Backstage disqualifiziert sichFreitag, 5. Februar 2010Auf Antrag von Lydia Dietrich (Grüne) und mir fand letzten Dienstag im Großen Sitzungssaal ein Hearing zum Thema „Hassmusik“ statt. So unerfreulich und fast unerträglich manche Musikbeispiele waren –so was hat das Rathaus bisher noch nicht gehört-, umso erfreulicher die sachliche Debatte und das rege Interesse an der erfreulich gut besuchten Anhörung. Damit wurde die Diskussion um gewaltverherrlichendem und homophobem Rap und Reggae politisch eröffnet – ohne Patentrezepte zu bieten. Jugendamt und Koordinierungsstelle für gleichgeschlechtliche Lebensweisen, die das Hearing vorbereiteten, konnten auch äußerst kompetenten ReferentInnen zu Homophobie in der Musik gewinnen. Nora Sookee Hantzsch vom Berliner Verein „Cultures Interactives“ konnte gleich zu Beginn an Beispielen aufzeigen, wie im Hip-Hop (männliche) Identität durch Abgrenzung gemacht wird: Frauen sind alle „Nutten“ (außer Mutti) und Schwule keine richtigen Männer, also bedrohlich, und kriegen deshalb eins drauf. Damit spiegelt der Hip-Hop die Geschlechterhierarchie und Homophobie, die auch in der Gesellschaft zu finden ist, „nur pointierter“. Indem dann noch Hassprediger gesellschaftsfähig gemacht werden, etablieren und normalisieren sich solche Abwertungen, was kein konsequenter Umgang sei. Bushido verunglimpfte Schwule im verbotenen „Arschfick-Song“, wurde tabuisiert, jetzt zeigt sich sogar Horst Seehofer mit ihm und Bernd Eichinger bringt ihn ins Kino. Sexismus verkaufe sich eben. Da kann das Kreisverwaltungsreferat bei Auftritten, wie zuletzt von Bounty Killer oder Sizzla im Backstage, nur einschreiten, wenn es zu Straftaten kommt. Doch gerade die Battyman-Dancehall-Künstler erklären, dass sie ihre Hasssongs nicht spielen und halten sich auch dran. So auch die jamaikanische Gruppe T.O.K., die am 19.2. im Backstage auftritt, dort auf ihren Song „Chi Chi Man“ mit Sätzen wie „Wenn Schwule in einem Auto sitzen, eröffnet das Feuer, lasst sie verbrennen“ verzichten – um ihn in Jamaika zu spielen. „Die sehen das ganz betriebswirtschaftlich, wollen hier und dort Geld verdienen“, erklärt der Reggae-Kenner und Journalist Martin Giese aus Hamburg. Klaus Jetz vom LSVD schlägt deshalb auch vor, für Auftrittserlaubnisse nicht nur Erklärungen auf Unterlassung zu verlangen, sondern die Künstler auch zu Spenden an Schwulenorganisationen im schwulenfeindlichen Jamaika zu verpflichten – und dies auch dort publik zu machen. Thomas Lechner, Veranstalter von queerbeat, sieht dabei auch seine Kollegen in der Verantwortung, hasspredigende Sänger nicht auftreten zu lassen. Außerdem müsste die Arbeit mit Jugendlichen verstärkt werden, die oft nicht wissen, was da überhaupt gesungen wird. Frau Hantsch plädierte für Übersetzung, Verschriftlichung und: „den Beat rausnehmen“. Für mich hat er sich damit in der Diskussion disqualifiziert – auch wenn er per mail am Nachmittag zurückruderte und seine Schreiben als politisch „suboptimal“ bezeichnete und sich für die „blöde“ Formulierung „unrechtsstaatlich“ entschuldigte. Verstanden hat er offensichtlich nichts. Das Hearing hat jedenfalls gezeigt, dass es auch anders geht. Solidarsystem der Krankenkassen nicht aufweichen – keine ZusatzbeiträgeFreitag, 29. Januar 2010Soll das Solidarsystem der Krankenkassen jetzt aufgeweicht werden? Schon kündigen die ersten Kassen „kassenindividuelle Zusatzbeiträge“ an. Solche Zusatzbeiträge sind unsozial und ungerecht. Gerade aus der Aids-Hilfe weiß ich, was für eine Belastung das für Menschen mit niedrigem Einkommen, z.B. in Folge ihre HIV-Infektionen heißen kann: finanzielle Zusatzbelastung oder gezwungenermaßen ein Kassenwechsel. Aber das wird auf Dauer auch nichts bringen; es wird erwartet, dass alle Kassen nachziehen. Menschen mit HIV und Aids brauchen aber eine zuverlässige Versorgung und dazu gehört auch eine zuverlässige Krankenkasse. Wenn jetzt das „Krankenkassenhopping“ anfangen sollte, wäre das oft langfristig aufgebaute Vertrauensverhältnis der Menschen zu ihrer Krankenkasse zerstört. Das kann niemand von uns wollen. Ich kann mich der strikten Ablehnung der angekündigten „kassenindividuellen Zusatzbeiträge“ durch die Deutsche Aids-Hilfe nur anschließen: die gesetzlichen Krankenkassen müssen Niedrigeinkommensbezieher unbedingt von der geplanten Zuzahlung befreien. Die solidarische Finanzierung der Kassen muss bleiben. Razzien in Stricherlokalen unverhältnismässigDonnerstag, 28. Januar 2010Man muss sich über die Berichte zur Razzia der Münchner Polizei in zwei Stricherlokalen in der Utzschneider- und Frauenstrasse nur wundern. Verdeckte Ermittlungen im Dezember hätten Erkenntnisse gebracht, dass dort der Prostitution im Sperrbezirk nachgegangen wird. Neu konnten die Erkenntnisse nicht sein: schon 1996 gab es einen Passskandal in der Utzschneiderstrasse, weil die Polizei dort die Pässe ausländischer Sexarbeiter kennzeichnete (wogegen Rosa Liste hefig und erfolgreich protestierte). Und in den letzten Jahren fanden dort immer wieder mal Razzien statt. Dass es sich um „Stricherlokale“ handelt, ist also für niemand, auch nicht für die Polizei, ein Geheimnis. Auf diese „Erkenntnisse“ reagierte die Münchner Polizei mit einer Razzia letzten Freitag – und man darf nach der Verhältnismäßigkeit fragen: 50 Beamte rückten gleichzeitig bei den beiden Lokalen mit einem halben Dutzend Fahrzeuge an; die Aktion dauerte zwei Stunden; Gäste, Personal und Wirte wurden gefilmt. In der Utzschneiderstrasse waren nach Aussage des Wirtes aber gerade mal ein Dutzend Gäste! Als „Ziel“ nennt der Polizeisprecher allein die Einhaltung des Sperrbezirks und eventuelle Fälle von Menschenhandel, um eine Kriminalisierung von männlicher Prostitution ginge es nicht. Und der „Erfolg“? 17 Männer wurden über die Sperrbezirksverordnung aufgeklärt, bei einigen erfolgte Anzeige. Die Polizei betont, dass keiner älter als 30, vier nicht mal 21 Jahre alt waren – als ob es sich um minderjährige Jugendliche handelte. Unter dem Aspekt „Sperrbezirk“ ist die Razzia für mich nichts anderes, als eine Kriminalisierung von männlicher Sex-Arbeit. Die Polizei ist zwar „im Recht“, für richtig halte ich solche Razzien nicht, kann aber aktuell gar nichts dagegen tun. Dazu braucht es politische Veränderungen, die wir bisher nicht durchsetzten konnten. Denn Rosa Liste setzt sich seit langem dafür ein, endlich auch die Realität männlicher Prostitution anzuerkennen. Denn trotz bundesgesetzlicher Regelungen zur Anerkennung von Prostitution als Beruf, werden in München auch männliche Prostituierte durch eine restriktive Sperrbezirksverordnung, die sich nur an heterosexueller Prostitution orientiert, kriminalisiert - was die aktuellen Polizei-Aktion mehr als deutlich macht. Aber alle unsere Bemühungen, zusammen mit den Grünen eine Liberalisierung der Sperrbezirksverordnung zu erreichen, wurden bisher von Behörden und Politik in München abgelehnt. Solange es die rigide Sperrbezirksverordnung gibt, kann die Polizei –nach langen Phasen von Duldung- immer wieder solche unverhältnismäßigen Razzien machen. Das verhindert Stricherkneipen nicht, ist aber ein schwebendes Damoklesschwert. Und sollte wirklich der Verdacht auf Zwangsprostitution oder Menschenhandel bestehen, was die Polizei nur sehr vorsichtig vorbringt, dann müsste selbstverständlich dagegen vorgegangen werden. Doch dafür halte ich eine Akzeptanz der Stricherszene, eine gute Zusammenarbeit mit den Wirten und der örtlichen Polizeiinspektion für sinnvoller als unverhältnismäßige Razzien wegen des Sperrbezirks. Berner Botschaft kennt jetzt doch Lebenspartnerschaft in FormularenDonnerstag, 28. Januar 2010Was lange währt…. Und dann geht’s doch schnell. Das Auswärtige Amt hat mir nach einer Woche heute mitgeteilt: „Das weltweit für alle Auslandsvertretungen vorgegebene Formular zur Beantragung von deutschen Reisepässen ist auf der Website des Auswärtigen Amts unter eingestellt. Als Familienstand, unter Ziffer 9, ist auch die "Lebenspartnerschaft nach dem Lebenspartnerschaftsgesetz" aufgeführt. Die Antragsformulare wurden nach Inkrafttreten des Lebenspartnerschaftsgesetzes entsprechend ergänzt. Die deutsche Botschaft in Bern wird die Lebenspartnerschaft in ihren Antragsformularen zukünftig ebenfalls berücksichtigen.“ Formulare bei manchen Ämtern und Behörden immer noch ohne Lebenspartnerschaft?Donnerstag, 21. Januar 2010Was ein deutsches Formular nicht kennt, das gibt es gar nicht. Den Eindruck muss ich nach neun Jahren Lebenspartnerschaft manchmal haben. Denn Ämter und Behörden fragen ja bei Personaldaten immer auch um den Familienstand. Und der ist bei vielen Lesben und Schwulen eben nicht „ledig“ und nicht „verheiratet“. Es wäre sogar rechtswidrig einen falschen Familienstand anzugeben. Nein, wir sind verpartnert. Aber das entsprechende Formular (sei es auf Papier und elektronisch) kennt uns nicht. So zumindest aktuell bei einer deutschen Botschaft und bei der Polizei: Ein ehemaliger Münchner Bürger, der jetzt in der Schweiz lebt, hat sich nämlich bei mir als schwulem Stadtrat beschwert, daß sein Familienstand „Lebenspartnerschaft“ auf dem Antragsformular für einen neuen Pass bei der deutschen Botschaft in Bern nicht einzutragen war. Die Beamtin musste per Hand ein neues Kästchen mit Kreuz erfinden mit dem Vermerk „verpartnert“. Beschämend, Guido! Und ein Münchner berichtet, dass er bei einer Münchner Polizeiinspektion eine Anzeige machte und dabei auch seine Personaldaten aufgenommen wurden. Dabei sei es nicht möglich gewesen, seinen Familienstand „Lebenspartnerschaft“ in das Formular aufzunehmen, da dieser dort nicht berücksichtigt war. Mit einer „falschen“ Aufnahme als „ledig“ oder „verheiratet“ sei er nicht einverstanden gewesen; deshalb habe der Beamte „Ehe ungeklärt“ angekreuzt. Ehe ungeklärt? Einstellung der Polizei zu Lesben und Schwulen ungeklärt?? Ich hab mich jetzt an das Auswärtig Amt, den LSVD und den Münchner Polizeipräsidenten Dr.Schmidbauer gewandt und um Aufklärung gebeten. Die Landeshauptstadt München hat längst alle Formulare angepasst. Das sollte doch auch der Münchner Polizei und dem Auswärtigen Amt inzwischen gelungen sein – schließlich ist das Lebenspartnerschaftsgestz seit 2001 in Kraft ist. Ausstellung "Queer Life in America" im AmerikahausMittwoch, 20. Januar 2010Letzten Donnerstag war ich bei der Vernissage von "Embodiment" im Amerika Haus am Karolinenplatz: Fotos und Videos zum "Queer Life in America". Da gibts für die Szene ja was zu sehen, dachte ich. Umso erstaunter war ich, dass ich von den ca.50 BesucherInnen gerade mal zwei kannte und keine fünf Leute als Community einschätzte. Warum geht da keiner hin, fragte ich mich. Schliesslich war die Ausstellung gut beworben. Das Motiv mit dem butch-femme-Lesbenpaar war anregend. Und es ist doch erstaunlich, dass so eine Einrichtung wie das Amerika Haus ganz selbstverständlich sowas zeigt. Also keine kleine Ausstellung in der Szene, sondern richtig öffentlich - aber die Szene geht nicht hin. Weil mich die Fotografien von Molly Landreth richtig begeistert haben, möchte ich doch für diese Ausstellung zu „Queer Life in America" werben. Schaut Euch die Fotos mal an. Lasst Eure "Queere Identität" in Frage stellen... Die Ausstellung ist bis 12.März im Amerika Haus am Karolinenplatz zu sehen und zwar Mo-Fr 12-17 Uhr und Mi 12-20 Uhr. Und jetzt schon vormerken: Dienstag 23.2. um 19 Uhr im Amerika Haus: Artist's Talk (in Englisch) mit Molly Landreth und Amelia Tovey Hier noch der Text von der Homepage des Amerika Haus: „Ausstellungsdauer bis 12. März 2010 Queer": anders sein, seltsam, schräg, quer zur Norm. Der Begriff wird von amerikanischen Lesben, Schwulen, Bi- und Transsexuellen benutzt, um die eigenen Liebes- und Lebensweisen zu beschreiben. Früher ein Schimpfwort, ist er längst zu einem Begriff der Selbstidentifikation geworden. Die Ausstellung „Embodiment: A Portrait of Queer Life in America" zeigt Fotoarbeiten der jungen amerikanischen Fotokünstlerin Molly Landreth. Die Werke sind Teil eines größeren Projekts, das sich als Dokumentation und Reise durch eine dynamische, wandlungsfreudige und häufig widersprüchliche Gesellschaft begreift. Bewusst geht Landreth in urbane Zentren und ländliche Gebiete, um ein möglichst breites Spektrum von gelebter „queer identity" zu erfassen. Molly Landreths Porträts sind sorgfältig durchdachte fotografische Inszenierungen. Sie sind mal zart ! und zur& uuml;ckhaltend, mal verspielt, mal provozierend - immer jedoch einfühlsam. Sie sind mehr Erzählung als Dokumentation, entspannen Geschichten über Liebe, über Selbstdarstellung und über den Prozess des Wandelns und Werdens. Sie vermitteln durch kleine Gesten, durch eine Berührung oder einen Blick die empfindliche Anatomie von Identität, von menschlichen Beziehungen und Familie. Die fotografischen Porträts werden ergänzt durch Arbeiten der australischen Videokünstlerin Amelia Tovey. Tovey begleitet Molly Landreth und dokumentiert das Projekt „Embodiment"." Frohe Weihnachten und einen guten Rutsch!Sonntag, 20. Dezember 2009Nein! Kein Jahresrückblick! Kann sowas nicht mehr hören, nicht mehr lesen! Ihr wisst ja selbst, was im zur Neige gehenden Jahr alles so passiert ist. Und wenn nicht: Eine kleine Recherche auf unserer Website wird Euer Gedächtnis schon auf die Sprünge helfen. Zu irgendwas muss unsere Seite ja gut sein Freuen wir uns lieber auf ein ereignisreiches Jahr 2010. Höhepunkt wird wohl der 30. Münchner CSD! Freue mich jetzt schon drauf. Und da ich zu diesem Zeitpunkt kein Vorstand der Rosa Liste mehr sein werde, kann ich mich auch voll auf das Fotografieren und Filmen konzentrieren. In diesem Sinne: Ein FROHES WEIHNACHTSFEST und einen GUTEN RUTSCH ins neue Jahr wünscht Euer Wolfgang Nutzt Euer Mitspracherecht!Montag, 23. November 2009Gibt es nicht immer wieder Dinge, die uns “aufstoßen”, ärgern, und die wir gerne besser oder anders hätten? Themen können aber auch Belästigungen oder Angriffe auf Schwule oder Lesben sein. Im Grunde kann alles beantragt werden, was einem besseren Miteinander dient und das Zusammenleben in unserer Stadt angenehmer macht.
Klaus J. Neumann Bezirksauschuss 2 Warum sollten Einzelhändler nicht ihre Waren auch vor dem Laden präsentieren?Donnerstag, 29. Oktober 2009Vor kurzem bei meinem Fahrradladen: dort lag eine Unterschriftenliste, die Stadt solle wieder alle Waren vor Läden erlauben. Ganz in meinem Sinne. Vor dem Laden dürfen nämlich keine Verkaufsräder mehr stehen. Warum eigentlich? Als es im März um die überarbeiteten Richtlinien für Sondernutzungen an den öffentlichen Straßen der Landeshauptstadt ging, wollte die Mehrheit im Stadtrat nur noch ausgewählte Waren auf Gehwegen erlauben: z.B. Obst oder Bücher. Meine Fraktion Grüne/Rosa Liste war da ganz anderer Meinung; wir wollten keine Einschränkung, fanden aber keine Mehrheit. Jetzt sind die Regelungen umgesetzt und es zeigt sich, wie viele, gerade kleine Läden betroffen sind, die nur schwer auf sich aufmerksam machen können. Und die Lebendigkeit im Strassenbild schwindet auch... Deshalb hat meine Fraktion einen zweiten Anlauf gestartet und gestern einen entsprechenden Antrag gestellt: "Das Kreisverwaltungsreferat wird beauftragt, den § 12 der Richtlinien für Sondernutzungen an den öffentlichen Straßen der Landeshauptstadt München dahingehend zu ändern, dass Einzelhändlern aller Sortimente das Ausstellen von Waren vor den Geschäften erlaubt werden kann." Hoffentlich denkt die Stadtratsmehrheit um... Ein neuer Gedenktag für die Community - braucht auch einen OrtMittwoch, 21. Oktober 2009Gestern Abend lud das Forum Homosexualität zum 75.Jahrestag des Beginns der systematischen Homosexuellen-Verfolgung durch die Nationalsozialisten mit den Münchner Razzien. Wir trafen uns um 19 Uhr an der Ecke Dultstrasse/Oberanger, wo eines der beiden Szenelokale, der "Schwarzfischer" stand (Dultstr.2; der "Arndthof" war am Glockenbach beim Karl-Heinrich-Ulrichs-Platz). Um die hundert TeilnehmerInnen gedachten der verfolgten Lesben und Schwulen sowie der Zerstörung der schwul-lesbischen Infrastruktur von Szene, Vereinen, Verlagen, Gruppen etc. Über die Dult-, Sendlingerstr. und Rosental zogen wir dann mit Kerzen ein Stück durch die Innenstadt, um dann im Stadtmuseum die von Albert Knoll konzipierte Ausstellung zur Homosexuellenverfolgung zu eröffnen (bis Ende des Jahres dort sehr sehenswert!!). Albert machte in seiner bekannten fundierten und professionellen Art bereits zu Beginn und dann auch bei der Vorstellung der Ausstellung die Geschichte der Verfolgung deutlich, die bisher viel zu wenig bekannt ist. Sowohl unsere Community als auch die Stadt München muss sich dieser Geschichte des Verdrängens, Verschweigens und Vergessens stellen. Mit der Aktion gestern wurde ein guter Anfang gemacht. Ich wünsche mir, dass der 20.Oktober zum festen jährlichen Gedenktag unserer Community und unserer Stadt wird. Dafür braucht es aber nicht nur einen Tag, sondern auch einen Ort. Deshalb hoffe ich, dass der Stadtrat meinem Antrag auf eine Denkmal für die homosexuellen Opfer des Nationalsozialismus zustimmt. Vielleicht können wir uns dann schon im nächsten Jahr an unserem Denkmal am Oberanger -in Sichtweite zur Dultstrasse- treffen. Diesen Wunsch werde ich jedenfalls aktiv verfolgen. 20 Jahre Rosa Liste: Vorbereitungen laufen auf HochtourenSamstag, 17. Oktober 2009So ein Geburtstag macht schon Arbeit, selbst wenn es nicht der eigene ist. Jedenfalls schafft es die Rosa Liste mal wieder, den Vorstand und die Mandatsträger ordentlich zu beschäftigen...
"20 Jahre Rosa Liste: Vorbereitungen laufen auf Hochtouren" vollständig lesen Die Gesichter und Geschichten alter schwuler Männer muss man sich einfach anschauenFreitag, 9. Oktober 2009Gestern wurde im Sozialreferat am Ostbahnhof (Orleansplatz 11) im 1.Sock die Ausstellung „Die Verzauberten“ mit erstaunlich vielen TeilnehmerInnen eröffnet: alte schwule Männer zeigen ihr Gesicht, ihre Person, ihr Leben. Ich war richtig angerührt. Die Fotografin Susi Knoll hat es geschafft, die 11 Männer ausdrucksstark mit 10 Fotografien zu präsentieren. Zu jedem Bild erzählt der Fotografierte aus seinem Leben. Foto und Text ergänzen sich nicht nur hervorragend, sie verändern auch den Betrachter. Wie Politik und Gesellschaft Schwule verfolgt, stigmatisiert und diskriminiert haben; wie diese trotzdem Nischen schufen, Netzwerke bildeten, sich die Lebenslust nicht nehmen ließen; wie Solidarität und gemeinsamer Kampf zu mehr Akzeptanz und Verbesserungen führte – all das beeindruckte mich ungemein. Die Ausstellung spiegelt nicht nur Biografien, sondern schwule Geschichte des 20 Jahrhunderts, und damit auch Stadtgeschichte. Dafür kann man den 11 Männern nur danken, dass sie sich so zeigen. Danken darf man aber auch der Fotografin Susi Knoll für ihre professionelle Kunst, mit der sie sich ganz ehrenamtlich engagierte; dem Sub und der Koordinierungsstelle, die als Veranstalter die Ausstellung ermöglichen; dem Forum Homosexualität, das die Biografien in den geschichtlichen Rahmen stellt; und dem Bürgermeister Hep Monatzeder, der sofort die Schirmherrschaft übernahm und gestern beeindruckend geredet hat. Ihr seht, ich bin richtig begeistert. Die Begeisterung möchte ich gern teilen. Deshalb bis Ende Oktober einfach mal zur Ausstellung am Ostbahnhof gehen (mo-fr 8-18.30 Uhr). Oder sich alles in Ruhe im Katalog anschauen und (nach-)lesen, den Reinhold Kosel gestaltet hat. Oder ganz einfach auf die Homepage der Koordinierungsstelle klicken: dort findet sich neben dem Katalog u.a. auch die Rede von Bürgermeister Monatzeder. Wirklich lesenswert! Dass nur schwule Männer zu sehen sind, ist nur der Entstehungsgeschichte geschuldet, weil es eine Initiative von Gay&Grey war. Ein ähnliches Projekt für alte Lesben wurde schon angekündigt. Darauf kann man sich nur freuen! Und hier der Link http://www.muenchen.de/Rathaus/dir/gleichgeschlechtl/inmuenchen/346580/verzaubert.html
"Warum München rosa regiert wird"Mittwoch, 16. September 2009 Die Tageszeitung taz läutet den Reigen um die 20-Jahr-Feier der Rosa Liste in diesem Herbst ein.
Aids ist keine Massenmörder - unsägliche Kampagne stoppenMontag, 14. September 2009Dagegen habe ich für die Münchner Aids-Hilfe massiv protestiert. Erfreulicherweise hat Romeliebtjulian.de darauf reagiert, sich der Kritik gestellt und macht diese auch öffentlich: In einem Video-Talk werden vorab Zuschauer zu der schlagzeilenträchtigen Kampagne befragt, dann spreche ich als Geschäftsführer der Münchner Aids-Hilfe und Christopher Knoll aus der Beratungsstelle der MüAH gemeinsam mit Bernd Müller, Verleger und Chefredakteur des Szenemagazins LEO, über das Für und Wider des Spots. Ihr findet den RLJ-Talk unter http://www.romeoliebtjulian.com/rlj/magazin-1422.html Deshalb hoffe ich immer noch auf die Überzeugung der vernünftigen Argumente: damit Romeoliebtjulian.de seinen Kommentar zurückzieht und die Kampagnen-Macher alles einstampfen und sich entschuldigen. Am Montag der SPD-Ministerin die Meinung sagen - bitte!Mittwoch, 9. September 2009Für nächsten Montag, 14.9., laden die Schwusos zum Publikumsgespräch „Volle Gleichstellung!“ ab 11.30 Uhr in die Gaststätte Stemmerhof (Plinganserstr.6, U-Harras). Mit dabei sind Sven Gudewitz, Christian Vorländer (Spitzenkandidat der Schwusos Bayern) und Bundesjustizministerin Brigitte Zypries. Leider kann ich um diese Zeit nicht dabei sein. Aber ich hoffe trotzdem, dass möglichst viele Lesben und Schwule der Ministerin ihre Meinung sagen. Ich bin nämlich in großer Sorge! Hat doch Ministerin Zypries vorgeschlagen, das Grundgesetz auch in Artikel 6 zu ändern und den verfassungsrechtlichen Schutz von Ehe und Familie auch auf Lebenspartnerschaften auszuweiten. Diesen Vorschlag soll sie schleunigst vergessen! Das ist keine Forderung der lesbisch-schwulen Community, wie die Schwusos fälschlich in ihrer Einladung behaupten! Wenn diese grundgesetzliche Festschreibung der Lebenspartnerschaft neben der Ehe käme, würde nur die Verschiedenheit von Ehe und Lebenspartnerschaft für lange Zeit festgeschrieben. Und damit auch ein Zwei-Klassen-System! Das können die Schwusos doch nicht ernsthaft wollen? Wir wollen doch auf Dauer keine sexuelle Apartheid, kein Sondergesetz für Lesben und Schwule. Unser Ziel heißt Gleichbehandlung, nicht Sonderbehandlung. Und die kann nur mit einer geschlechtsneutralen, für alle offenen Ehe erreicht werden. Zypries befindet sich absolut auf dem Holzweg. Das ist gut gemeint, aber völlig daneben. Das sollten doch auch die Lesben und Schwulen in der SPD wissen! Liebe Lesben, Schwule in und außerhalb der SPD: bitte redet Frau Zypries diese Idee endlich aus! Mögen möglichst viele am Montag der Ministerin ihre Meinung sagen: „Volle Gleichstellung!“ gibt’s nur mit einem Rechtsinstitut, der Ehe – alles andere ist Diskriminierung auf höchstem Niveau.
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