Seit gestern kündigen die Veranstalter des Chiemsee Reggae Summer, der vom 27. Bis 29.August in Übersee stattfindet, stolz den Auftritt von Sizzla Kalonji auf http://www.chiemsee-reggae.de an:
"Sizzla Kalonji ist unbestritten einer der schillerndsten, aber auch umstrittensten Figuren in der Reggae- und Dancehall-Szene. Beim Chiemsee Reggae Summer feiert der Jamaikaner 2010 seinen einzigen Festival-Auftritt in Deutschland.
Der wegen homophober Äußerungen kritisierte und in der Vergangenheit oftmals mit Auftrittsverboten belegte Künstler wurde von uns ganz bewusst gebucht: ‚Wir sind für Kunstfreiheit, wir sind für Meinungsfreiheit, den Respekt vor anderen Kulturkreisen und wir sind gegen verfassungswidrige Zensurbestrebungen. Selbstverständlich achten wir und alle auftretenden Künstler darauf, dass beim Chiemsee Reggae Summer die Gesetze der Bundesrepublik Deutschland eingehalten werden.‘“
Vielleicht sollten die Veranstalter die Diskussionen der letzten Jahr ernst nehmen und freiwillig verzichten anstatt sich trotzig stolz zu rechtfertigen. Hier geht es ja nicht nur um Gesetze, sondern auch um die Verantwortung der Veranstalter.
So sang Sizzla in dem Song Nah Apologize aus dem Jahr 2005 unter anderem, „Rastaman don't apologize to no batty-boy / if yuh diss King Selassie mi gun shot yuh bwoy“ (in etwa: „Ein Rastaman entschuldigt sich nicht bei einer Schwuchtel, denn wenn ihr King Selassie durch den Dreck zieht, werde ich euch erschießen“).
In einer Pressekonferenz nach dem Summerjam Festival 2007 in Köln erklärte er: „Gründest du eine Familie, erweist du deiner Mutter Respekt. Gehst du zu anderen Männern, ziehst du ihr Ansehen in den Schmutz.“ Und weiter: „Ein Mann muss sich entscheiden, ob er ein Stück Dreck sein will oder ein stolzer Mann – so einfach ist das.“
Im Rahmen der Stop the Murder Music Kampagne wurde versucht, Auftritte von Sizzla zu verhindern. Deshalb unterzeichnete Sizzla im April 2007 die Selbstverpflichtung des Reggae Compassionate Act, in dem er Nächstenliebe, Respekt gegenüber Andersdenkenden und Verständnis aller Menschen als Grundlage für seine Arbeit festlegt – zumindest pro forma. Denn danach hat er die Unterzeichnung immer wieder bestritten und die kritisierten Texte in sein Programm genommen, wobei er teilweise das Publikum die inkriminierten Textteile singen ließ. In einem Interview der Sunday Mail Simbabwe vom 28. Februar 2010 erklärte Sizzla: „I did not sign any papers, it is just an agreement I have with certain promoters – it is their system. I cannot stop singing those songs because there is a message in those songs which people should hear.“ (in etwa: „Ich habe keine Dokumente unterzeichnet, es ist lediglich eine Vereinbarung mit bestimmten Organisatoren – es ist deren System. Ich kann nicht aufhören, diese Songs zu singen, da in ihnen eine Botschaft enthalten ist, die die Leute hören sollten.“
Reine Taktik also, um hier nicht gegen Gesetze zu verstoßen, auftreten zu können, Geld zu machen und seine „Botschaft“ zu singen. Aber wer will die Botschaft wirklich hören? Ich nicht. Dieser Hassmusik sollte niemand eine Bühne bieten – auch nicht am Chiemsee.