Heute vor 20 Jahren wurde in München gewählt: der Beginn der rot-grünen Regierungskoalition. Deshalb hat Rot-Grün gestern Abend ins Alte Rathaus zur "Pozellan-Hochzeit" geladen, um diese 20 Jahre Rot-Grün zu feiern. Als Dritter im Bunde, der jetzt auch schon 14 Jahre mit im Regierungsbündnis ist, konnte ich folgende Glückwünsche überbringen:
"Liebes rot-grüne Brautpaar,
zu Eurer heutigen Porzellan-Hochzeit möchte ich Euch im Namen von Rosa Liste ganz herzlich gratulieren: denn in den 20 Jahren Eurer Ehe ist etwas so Edles und Wertvolles wie Porzellan entstanden: teures weißes Porzellan mit Goldrand, das gleichzeitig an seine Zerbrechlichkeit erinnert.....
Das ist für 20 Jahre Rotgrün dann doch nicht angemessen.
Ich hab immer noch nicht begriffen, warum Ihr zu 20 Jahre Rotgrün zur Porzellan-Hochzeit eingeladen habt. Ich vermute dahinter eine heterosexuelle Ironie, die sich mir noch nicht erschlossen hat.
Ich kann ja verstehen, dass man hier im Rathaus manchmal das Gefühl hat, mit der Politik verheiratet zu sein. Aber ich möchte, bei aller Liebe, weder die Grünen noch die SPD, sondern nur meinen Mann heiraten - den besten aller möglichen Männer für mich.
Aber das geht ja immer noch nicht. Die Ehe steht uns Lesben und Schwulen immer noch nicht offen. Das haben wir noch nicht erreicht.
Ansonsten sind wir mit unserem Rot-Grün-Rosa Bündnis für München schon ganz schön weit gekommen: fast in Turbo-Geschwindigkeit! Und bei diesem Bündnis für München bin ich wirklich gern dabei – weil ich es für die beste aller möglichen Farbkombinationen für München halte.
Als ich 1996 zu Eurer Rot-Grünen Zweisamkeit dazu kam, war das ja nicht nur, um Euch mit meiner Stimme die Mehrheit zu sichern – was zugegebenermaßen keine schlechte Startposition war. Es ging ja nicht um Arithmetik, sondern um Politik.
Und da hat Rot-Grün-Rosa einfach die größte Schnittmenge: Ihr seid angetreten, um München ökologischer, sozialer, gerechter, nachhaltiger, großstädtischer und lebenswerter zu machen. Und dazu gehörte auch die Emanzipation und Gleichstellung der Frauen genauso wie die der Lesben, Schwulen und Transgender. Da haben wir uns schnell gefunden.
Und wir haben uns nicht den Verhältnissen angepasst, sondern tatsächlich die Stadtgesellschaft verändert.
Das macht gerade die rosa Perspektive deutlich, nicht als eingeschränkte, sondern als exemplarische Wahrnehmung:
Lesben, Schwule und Transgender sind sichtbar wie nie; der CSD wird vom OB mit angeführt; wir fördern eine Vielfalt von Projekten und Initiativen in der Community der Lesben, Schwulen und Transgender, zuletzt mit der Regenbogenstiftung. Wir haben mit der Koordinierungsstelle die schwul-lesbische Gleichstellungspolitik fest in der Verwaltung verankert.
Rot-grün-rosa hat München zu einer lesben- und schwulenfreundlichen Großstadt gemacht.
Das konnten wir nur erreichen, weil wir zu wirklichen Bündnispartnern geworden sind.
Wie in jeder Partnerschaft gehört dazu eine gute Balance von Autonomie und Nähe, von Individualität und Gemeinsamkeit, von Kompromissfähigkeit, den anderen seine Interessen einbringen zu lassen und auch Erfolge zu gönnen. Klappt zwar nicht immer – wie in jeder Beziehung. Und trotz aller partnerschaftlichen Beziehungspflege gibt’s manchmal auch patriarchale Reflexe. Aer auch das kommt in den besten Familien vor.
Vielleicht sind wir, - die alten und neuen Stadtratskollegen der letzten Jahre-, doch so was wie eine Patchworkfamilie geworden.
Ich möchte jedenfalls allen Stadträtinnen und Stadträten der SPD und der Grünen, meinen Fraktionskollen und den MitarbeiterInnen, danken, dass wir diese Erfolgsgeschichte gemeinsam gemeistert haben.
Den Wählerinnen und Wählern hat‘s auch immer wieder gefallen.
Das ist doch eine gute Grundlage, dieses Bündnis für München heute zu feiern und fortzusetzen.
Rosa Liste ist gern mit dabei.
Herzlichen Glückwunsch!"