Donnerstag, 20. Mai 2010
Mit einem kleinen Festakt starteten heute Bürgermeisterin Christine Strobl und Kommunalreferentin Gabriele Friderich den Projektbeginn in der Müllerstr.14, in dem das Sub seine neu Heimat finden wird. Selbstverständlich waren Geschäftsführer Christian Schultze und Vorstand Andreas Klose für das Sub mit dabei. Leider fehlte Andreas Unterforsthuber von der Koordinierungsstelle, der nicht nur die Idee hatte, dort dem Sub eine Zukunft zu geben, sondern die Umsetzung auch sehr beförderte. Aber man hatte anscheinend vergessen, ihn einzuladen.
An der Baugrube wurde zuerst die archäologische Geschichte erläutert. In der benachbarten Lokalbaukommission stellten dann die H2R Architekten die Planungen und Christian Schultze die zukünftige Nutzung der 570 Quadratmeter Erdgeschosse durch das Sub vor. Darauf kann man sich wirklich freuen. Denn das jetzige Sub ist wirklich "suboptiomal", da bieten die neuen Räume optimaler Bedingungen: die drei Gruppenräum, ein großer Veranstaltungssaal, ein Café mit Infothek, Beratungszimmer, die integrierte Beratungsstelle – insgesamt eine Chance, das Sub noch mehr zum Kompetenzzentrum und zur Anlaufstelle für schwule Männer und deren Anliegen zu machen. Damit haben wir im Stadtrat auch ein Signal gesetzt, dass uns die Einrichtung und der Erhalt des Viertels, nicht nur mit seinen sozialen Angeboten, wichtig ist. Damit bildet die Müllerstr.14 auch einen Kontrapunkt zum hochpreisigen Immobilienprojekt „Heizkraftwerk“ gegenüber. Denn von den 16 Wohnungen werden nur vier zu den ortsüblichen Vergleichsmieten angeboten, zwölf Wohnungen werden zu „preislimitierten Konditionen“, wie es so schön im Verwaltungsdeutsch heißt, an weniger finanzkräftige Bewerber vergeben. Auch das ist gut fürs Viertel.
Wer jetzt neugierig geworden ist, kann die Informationen zum Projekt, die Pläne und Grundrisse sowie die archäologische Geschichte nachlesen bzw. anschauen auf
http://www.muenchen.de/Rathaus/kom/01immobilien/neubau/muellerstr14/413378/index.html
Fertigstellung und Einzug des Sub sind übrigens für Ende 2011 geplant. Da wird dann die Eröffnung des neuen Sub auch ordentlich gefeiert!
Dienstag, 18. Mai 2010
Die festen Fronten um die „Stolpersteine“ weichen auf. Vorletztes Wochenende hat die Münchner SPD gezeigt, dass sie durchaus nicht so geschlossen ablehnend ist, wie sie bisher auftrat. Denn per Beschluss forderte sie auf ihrem Parteitag ihre Stadtratsfraktion auf, sich für die Zulassung der Verlegung der „Stolpersteine“ zum Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus auf öffentlichem Grund einzusetzen. Vielleicht wird jetzt eine neue und sachliche Diskussion im Stadtrat möglich. Wir als Rosa Liste haben die Initiative Stolpersteine für München bisher immer unterstützt, weil wir in den „Stolpersteinen" eine gute Möglichkeit von Geschichtsarbeit und Erinnerungskultur für die unterschiedlichen Opfergruppen, auch der homosexuellen, sehen. Leider hat bisher die Mehrheit im Rathaus (gegen die Stimme der Rosa Liste) „Stolpersteine" im öffentlichen Raum verhindert. So ist die Initiative bisher auf privaten Grund angewiesen. Trotzdem werden wir uns auch in Zukunft für ein Umdenken im Stadtrat einsetzen. Und deshalb ist es nur zu begrüssen, dass bei der SPD –wie auch in mehreren Bezirksausschüssen- wieder Bewegung in die Diskussion kommt. Als Fraktion Grüne/Rosa Liste wollen wir das Thema „Stolpersteine“ noch in diesem Jahr erneut in den Stadtrat einbringen. Fraktionskollege Dr.Florian Roth bringt es in unserer Presseerklärung auf den Punkt: „Wir erhoffen uns einen fairen und respektvollen Meinungsaustausch, der auch die Haltung vieler Hinterbliebener mehr als bisher berücksichtigt, und an dessen Ende eine verantwortungsvolle Entscheidung frei von Fraktionszwängen steht.“
Dienstag, 11. Mai 2010
Ich war schon überrascht, als mir Gäste beim Maibaumfest auf dem Karl-Heinrich-Ulrichs-Platz sagt, sie hätten bei der Anreise den Platz auf muenchen.de nicht gefunden – schließlich gibt es den Platz seit 1998. Also fragte ich bei unserem Viertel-Bürgermeister Alexander Miklosy nach, der sogleich aktiv wurde und an die Betreibergesellschaft von muenchen.de schrieb. In der sehr freundlichen Antwort teilte diese jetzt mit, dass die Koordinierungsstelle für gleichgeschlechtliche Lebensweisen bereits auf das Problem hingewiesen hat. Allerdings können die Betreiber des Stadtportals am Datenmaterial der Straßennamen und Adressen für den Stadtplan selbst nichts ändern. Sie verwenden Google Maps als Grundlage und da ist der Karl-Heinrich-Ulrich-Platz ebenfalls noch nicht zu finden. Vermutlich weil er ohne Häuser keine offizielle Adresse hat.
Aber jetzt wurden alle aktiv: das muenchen.de-Portal hat über den Datenprovider für Google den Platz bereits eingetragen. Das kann aber dauern, bis es berücksichtigt wird. Und die Koordinierungsstelle hat sich parallel auch an das Vermessungsamt gewandt, da dort die Adressdaten für München verwaltet werden. Denn in der Stadtplanansicht war der Platz bis vor kurzem noch gar nicht bzw. nur sehr schwer zu finden.
So können wir nur hoffen, dass nach 12 Jahren der Platz auch in offiziellen Karten zu finden ist. Denn was nicht verzeichnet ist, gibt’s ja gar nicht…
Dienstag, 11. Mai 2010
Im Kulturausschuss letzten Donnerstag wurde berichtet, dass sowohl Musik-Veranstalter an einem „Runden Tisch München gegen Hassmusik“ als auch die LBGT-Gemeinde Strategien wie z.B. eine Selbstverpflichtung von Veranstaltern entwickeln. Deshalb hat der Kulturausschuss einstimmig beschlossen, diese „Selbstorganisationsprozesse“ abzuwarten. Das Kulturreferat soll, wenn gewünscht, unterstützen und Ende des Jahres darüber im Ausschuss berichten.
Den Beschluss und die Stellungnahme der Koordinierungsstelle findet man unter
http://www.ris-muenchen.de/RII/RII/ris_vorlagen_dokumente.jsp?risid=1993462
Dienstag, 11. Mai 2010
Seit gestern kündigen die Veranstalter des Chiemsee Reggae Summer, der vom 27. Bis 29.August in Übersee stattfindet, stolz den Auftritt von Sizzla Kalonji auf http://www.chiemsee-reggae.de an:
"Sizzla Kalonji ist unbestritten einer der schillerndsten, aber auch umstrittensten Figuren in der Reggae- und Dancehall-Szene. Beim Chiemsee Reggae Summer feiert der Jamaikaner 2010 seinen einzigen Festival-Auftritt in Deutschland.
Der wegen homophober Äußerungen kritisierte und in der Vergangenheit oftmals mit Auftrittsverboten belegte Künstler wurde von uns ganz bewusst gebucht: ‚Wir sind für Kunstfreiheit, wir sind für Meinungsfreiheit, den Respekt vor anderen Kulturkreisen und wir sind gegen verfassungswidrige Zensurbestrebungen. Selbstverständlich achten wir und alle auftretenden Künstler darauf, dass beim Chiemsee Reggae Summer die Gesetze der Bundesrepublik Deutschland eingehalten werden.‘“
Vielleicht sollten die Veranstalter die Diskussionen der letzten Jahr ernst nehmen und freiwillig verzichten anstatt sich trotzig stolz zu rechtfertigen. Hier geht es ja nicht nur um Gesetze, sondern auch um die Verantwortung der Veranstalter.
So sang Sizzla in dem Song Nah Apologize aus dem Jahr 2005 unter anderem, „Rastaman don't apologize to no batty-boy / if yuh diss King Selassie mi gun shot yuh bwoy“ (in etwa: „Ein Rastaman entschuldigt sich nicht bei einer Schwuchtel, denn wenn ihr King Selassie durch den Dreck zieht, werde ich euch erschießen“).
In einer Pressekonferenz nach dem Summerjam Festival 2007 in Köln erklärte er: „Gründest du eine Familie, erweist du deiner Mutter Respekt. Gehst du zu anderen Männern, ziehst du ihr Ansehen in den Schmutz.“ Und weiter: „Ein Mann muss sich entscheiden, ob er ein Stück Dreck sein will oder ein stolzer Mann – so einfach ist das.“
Im Rahmen der Stop the Murder Music Kampagne wurde versucht, Auftritte von Sizzla zu verhindern. Deshalb unterzeichnete Sizzla im April 2007 die Selbstverpflichtung des Reggae Compassionate Act, in dem er Nächstenliebe, Respekt gegenüber Andersdenkenden und Verständnis aller Menschen als Grundlage für seine Arbeit festlegt – zumindest pro forma. Denn danach hat er die Unterzeichnung immer wieder bestritten und die kritisierten Texte in sein Programm genommen, wobei er teilweise das Publikum die inkriminierten Textteile singen ließ. In einem Interview der Sunday Mail Simbabwe vom 28. Februar 2010 erklärte Sizzla: „I did not sign any papers, it is just an agreement I have with certain promoters – it is their system. I cannot stop singing those songs because there is a message in those songs which people should hear.“ (in etwa: „Ich habe keine Dokumente unterzeichnet, es ist lediglich eine Vereinbarung mit bestimmten Organisatoren – es ist deren System. Ich kann nicht aufhören, diese Songs zu singen, da in ihnen eine Botschaft enthalten ist, die die Leute hören sollten.“
Reine Taktik also, um hier nicht gegen Gesetze zu verstoßen, auftreten zu können, Geld zu machen und seine „Botschaft“ zu singen. Aber wer will die Botschaft wirklich hören? Ich nicht. Dieser Hassmusik sollte niemand eine Bühne bieten – auch nicht am Chiemsee.
Freitag, 7. Mai 2010
Der 8.Mai steht für das Ende des schrecklichen Weltkrieges 1945 und das Ende des nationalsozialistischen Terrors. An diesem Gedenktag an Krieg und Unterdrückung, der zu Frieden, Freiheit und Demokratie mahnt, marschieren sogenannte „Freie Nationalisten“ in diesem Jahr mit einem Demonstrationszug von Fürstenried nach Großhadern. Doch die MünchnerInnen wollen ihre Stadtviertel nicht zum Schauplatz brauner Propaganda missbrauchen lassen. Deshalb findet morgen ab 16 Uhr „München ist bunt!“, ein buntes Fest der Bezirksausschüsse und vieler engagierter BürgerInnen in Fürstenried West, Tischlerstr./Forst-Kasten-Allee statt (U3 Fürstenried-West, U6 Klinikum Großhadern, Bus 56 Bellinzonastr.) statt.
Rosa Liste, meine Stadtratsfraktion und ich persönlich unterstützen den Aufruf zu diesem Kultur-Fest gegen braune Parolen. Wir wünschen uns, dass möglichst viele persönlich teilnehmen können. Denn Protest gegen Neonazis funktioniert – wenn genug Menschen mitmachen!
Infos unter www.muenchen-ist-bunt.de
Donnerstag, 6. Mai 2010
Mit dem Motto "Mitmischen!" geht es morgen los: auf Antrag von Lydia Dietrich und mir hat der Münchner Stadtrat beschlossen, "die Teilhabe- und Teilnahmnemöglichkeiten lesbischer Frauen in München zu verbessern", also für die Gleichstellung und Anerkennung lesbischer Frauen zu arbeiten. Für diesen Schwerpunkt entwickelt die Koordinierungsstelle für gleichgeschlechtliche Lebensweisen konkrete Maßnahmen. Der Startschuss ist praktisch morgen: die Koordinierungsstelle lädt Lesben, Schwule, Transgender und alle Interessierten um 19 Uhr ins Rathaus, in den Großen Sitzungssaal, um zu diskutieren: wie schaut lesbisches Leben in München eigentlich aus, wer gestaltet es und wie wollen wir es gestalten? Was bedeutet für uns Vielfalt und Gemeinschaft? Was heisst Teilhabe und Teilnahme am öffentlichen Leben für Lesben? Wie sichtbar sind wir? Diesen Fragen stellen sich -nach einem Kurzvortrag von Lising Pagenstecher- auf dem Podium die Stadträtinnen Lydia Dietrich und Irene Schmitt, von der Koordinierungsstelle Ulrike Mößbauer, DJane Eléni von ERMIS, Sylvie Engl von JuLes bei Diversity und Rita Braaz für LeTra.
Carolina Brauckmann verspricht nicht nur eine gute Moderation, sondern mit ihren Songs und Satiren aus dem Programm "Sappho küsst Shane" auch Unterhaltung für die Feier. Denn gefeiert werden soll dieser Lesbenschwerpunkt selbstverständlich auch! Ich jedenfalls freu mich drauf...
Mittwoch, 5. Mai 2010
Gerade nach dem „Tag der Arbeit“ am 1.Mai sollte das Thema „HIV am Arbeitsplatz“ enttabuisiert werden. Die Deutsche Aids-Hilfe hat das zum Schwerpunktthema 2010 gemacht. Guter Grund, auch in München darüber nachzudenken. Denn eine/r von 1000 Beschäftigten ist HIV-positiv. Doch wer kennt eine/n positiven Kollegen/Kollegin?
Auch wenn es die meisten HIV-Positiven dank der Therapien gegen HIV die Anforderungen ihres Berufes gut erfüllen,. ergeben sich aber häufig Probleme durch Diskriminierung – bis hin zur rechtswidrigen Kündigung. Viele HIV-positive Arbeitnehmer verschweigen ihre Infektion darum im Job. Es ist Zeit, dass die Situation von Menschen mit HIV in der Arbeitswelt sich grundlegend ändert.
Auf http://blog.aidshilfe.de/?p=2721 zeigt die Deutsche Aids-Hilfe in Interviews und Hintergrundberichten die Probleme, aber auch Lösungswege. Denn auch das gibt es: HIV-positive Arbeitnehmer, die mit tollen Chefs und solidarischen Kollegen ganz selbstverständlich zusammenarbeiten.
So berichten drei Menschen mit HIV vor der Kamera, wie sie in der Arbeitswelt zurecht kommen: ein Bankangestellter, ein Erzieher und ein IT-Spezialist. Oder Christian Kranich, Sozialpädagog bei der Münchner Aids-Hilfe, zieht aus 10 Interviews sein Fazit über positive Coming-outs, andere Bewältigungsstrategien und die Frage, wie ein selbstverständliches Leben mit HIV im Job möglich ist.
Aktuell zum 1.Mai 2010 findet sich dort auch ein Beitrag des Deutschlandfunk: Podium HIV.mp3
Vielleicht können wir alle dazu beitragen, dass Betriebe, in den HIV-Positive mit tollen Chefs und solidarischen KollegInnen ganz selbstverständlich zusammen arbeiten, zum Regelfall werden.
Mittwoch, 5. Mai 2010
Die Vorstellung schwul-lesbischer Stadtgeografie reduziert sich ja meist auf die Isarvorstadt und das Glockenbachviertel. Aber lesbisches und schwules Leben findet selbstverständlich auch in anderen Stadtvierteln statt. Deshalb geht das Forum Homosexualität jetzt in die Maxvorstadt.
Ab morgen zeigt das Forum in der U-Bahn-Galerie Universität (Ausgang Nord) „unsere“ Geschichte“ in der Maxvorstadt, vom Fotoatelier Elvira bis zur Buchhandlung Lillemor´s als einem kulturellen Treffpunkt lesbischen Lebens.
Wenn ich an die Maxvorstadt denke, dann fällt mir zuerst das „Schwabingerbräu“ ein, das es seit 1990 nicht mehr gibt: beim Umbau vom Hertie-Hochhaus in das Karstadt-Gebäude wurde das Hochhaus "verkürzt" und die oberen Etagen mit dem "Schwabingerbräu" geschleift.
Denn im „Schwabingerbräu“ fand die große schwul-lesbische Abschlussfeier zu „Viorosa II“, den schwul-lesbischen Kulturwochen im Sommer 1989, statt, was gleichzeitig der CSD-Abschluss war. Das war für mich die wirklich erste (!) große gemeinsame (!) schwul-lesbische Bewegungs-Party. Für mich auch emotional der Beweis, wir können als Lesben und Schwule nicht nur zusammen was bewegen, sondern auch zusammen feiern. Schwul-lesbische Zusammenarbeit war zum ersten Mal auch erlebbar! Nachdem in der Viorosa-Woche die Idee einer Wählerinitiative Rosa Liste entstand, war mir klar: die Zeit ist reif für eine schwul-lesbische Liste. So wurde Rosa Liste dann auch der erste gemeinsame Verein!
Deshalb freue ich mich, dass das Forum mit seiner Ausstellung auch daran erinnert.
Morgen, Donnerstag 6.5., wird die Ausstellung um 19 Uhr (U-Bahnstation Universität, Nordausgang) eröffnet und ist dann ca. 6 Wochen dort zu sehen.
Eine gute Gelegenheit, mal über den Tellerrand des Glockenbachviertels zu schauen...
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